Wolfgang Klemm, Ulrike Hellermann, Nico Roelvink

Auftaktveranstaltung am 12.12.2012

des Vereins ,,Kultur Stein e.V.",

der im Sommer gegründet wurde.

Auf dem Programm standen Musikstücke

der Komponisten:

Alexander Zemlinsky,

Robert Schumann,

Gabriel Faure,

Wolfgang Amadeus Mozart,

Adolf Busch und Alban Berg.

Die Mitwirkenden:

Ulrike Hellermann (Sopran),

Nico Roelvink (Klavier) und

Wolfgang Klemm (Bratsche).

Zwischendurch informierte

Dr. Rüdiger Schmidt über die Komponisten.

Im Anschluss an das Konzert

hatten die Gäste die Gelegenheit

zum Austausch in ungezwungener Atmosphäre

mit den Künstlern und den Fördervereins-Mitgliedern.

Die erste öffentliche Veranstaltung, mit der sich

der neue Kulturverein, der Öffentlichkeit

vorstellte, heißt es in der Pressemitteilung.

Die Aufgabe einer zeitgemäßen Kulturarbeit -

Gestaltung eines kulturfreundlichen

Klimas in der Gesellschaft - soll der Förderverein

„Kultur Stein e.V.“

übernehmen", so Vorsitzender Detlev Nowak.

Das Publikum soll zu einem

Dialog eingeladen werden mit der Kunst und den

Künstlern und so gleichzeitig die kulturelle Vielfalt

der Gegenwart kennen lernen.

 

 

 

 

Vortrag von Dr. Rüdiger Schmidt

 

Reisen durch die Zeit, in die Zukunft und vor allem in die Vergangenheit sind ein alter Menschheitstraum.  Reisen durch die Zeit sind allerdings physikalisch enge Grenzen gesetzt, denen sich in unserer Zeit nur die Musik nicht zu beugen braucht.

Auf eine musikalische Zeitreise möchten wir Sie heute mitnehmen, Zukunft und Vergangenheit verbinden. Mozart, Romantik, fin de siecle erschallen und die Moderne des 20. Jahrhunderts sind unsere Stationen. Überraschend Neues und selten Gehörtes möchten wir präsentieren. Vielleicht sammeln Sie neue Eindrücke und Erfahrungen. Und wenn wir am Ende unserer Zeitreise angekommen sind, werden Sie, so hoffe ich, wie alle Reisenden etwas zu erzählen haben.

Unsere Zeitreise beginnt Mitte des 19.Jahrhunderts mit Alexander Zemlinski; wir hören

3 Stücke die überschrieben sind mit: „Liebe Schwalbe“, „Vöglein Schwermut“ und „Empfängnis“.

Musik der Romantik begleitet unseren weiteren Weg, Musik von Robert Schumann.

Aus seinem reichen Schaffen hören wir den Zyklus: „Frauenliebe und Leben“

Und während wir noch in Romantik schwelgen, hat die Zeit uns weitergetragen. Musik des fin de siecle trifft unser Ohr, Musik vom Übergang der Spätromantik zur musikalischen Aventgarde der Neuzeit. Von Gabriel Fauré hören wir:

  • Chanson d’amour oder Liebeslied, danach
  • Berceuse Op 16, Wiegenlied, der Gesangspart wird v. d. Bratsche übernommen,
  • „Après un rêve, nach einem Traum.

Kontrastiert werden diese Kompositionen durch ein Lied von Amadeus Mozart, nach einem Text von Heinrich Campe.

Danach gehen wir in die Pause. Um anschließend in der Neuzeit anzukommen.

Zuerst von Adolf Busch „Nun die Schatten dunkeln“, nach einem Gedicht von Emanuel von Geibel

Das zweite Lied ist von Alban Berg und heißt „Die Nachtigall“ (Text: Theodor Storm)
Der Abschluss wird wieder ein Trio sein, erneut von Adolf Busch mit dem Titel „Aus den Himmelsaugen“ nach einem Text von Heinrich Heine.

1. (Block: Zemlinsky, 1871 – 1942). 

Als Dirigent gehört er zu den großen deutschen Namen, als Komponist ist Alexander von Zemlinsky fast vergessen. Was zu bedauern ist, gehört er doch ohne Zweifel zu den bekanntesten Musiksetzern seiner Zeit.

 

1871 in Wien geboren, wächst er dort in der jüdischen Gemeinde auf. Früh schon imponiert seine musikalische Begabung; früh schon, im Alter von 13 Jahren besucht Zemlinsky das berühmte „Konservatorium der Gesellschaft für Musikfreunde“ in Wien.

 

Zemlinsky erweist sich als ausgezeichneter Student, der fast alle Fächer mit der Note 1 besteht. Bei den Kompositionswettbewerben des Konservatoriums gewinnt er für das Lied „Des Mädchens Klage“ den ersten, für „Der Morgenstern“ einen zweiten Preis. 1890 wird ihm die Gesellschaftsmedaille für herausragende Schüler überreicht.

Nach dieser Ausbildung stehen Zemlinsky die Wiener Salons offen, als begnadeter Pianist und Musiklehrer ist er gleichermaßen gefragt. Bekanntester Schüler wird Arnold Schönberg, den er im Fach Komposition unterrichtet und dessen Schwager er später werden wird.

Wechselnde Engagements an Wiener Opernhäusern kennzeichnen die frühen Jahre, als Kapellmeister entwickelt sich Zemlinsky zu einer musikalischen Leitfigur Wiens. Daneben macht er sich einen Namen als Komponist. Am Ende wird sein Oeuvre 4 Sinfonien, 8 Opern, dazu Klavierwerke, Kammermusik, Orchesterlieder und Lieder mit Klavierbegleitung umfassen.

 

Seiner Zeit voraus, strebt er danach die Musik bis an die äußersten Grenzen tonaler Harmonik voranzutreiben. „Tonart“, so schreibt er, „ist kein absoluter Wert mehr und wird allmählich durch Timbre ersetzt; formaler Zusammenhalt, von jeglichem System tonaler Beziehungen befreit, ist zunehmend auf die kurze Motivzeile angewiesen.“

Revolutionär, der große Durchbruch als Komponist gleichwohl, bleibt ihm versagt.

 

Künstlerische und wohl auch finanzielle Gründe führen Zemlinsky 1911 nach Prag, er wird Musikalischer Direktor des Deutschen Landestheaters. Nahtlos knüpft er an die Wiener Erfolge an. Fortan gehört Zemlinsky zu den besten Dirigenten seiner Generation.

Zeit zur Komposition verbleibt nur wenig. Doch Werke wie das 2. Streichquartett, die „Lyrische Sinfonie“ und die beiden Opern-Einakter nach Oscar Wilde zählen zu den Höhepunkten seines Schaffens.

 Mitte der 20er Jahren wechselt Zemlinsky an die Berliner Kroll-Oper, zu jener Zeit ein Zentrum für experimentelles Musiktheater. Neue künstlerische Impulse und die Begegnung mit der künstlerischen Avantgarde Berlins kennzeichnen diese Zeit. Seine Aufführung von Weills „Mahagonny) im Theater am Kurfüstendamm ist in besonderer Erinnerung.

Zu dieser Zeit, 1931, war die Kroll-Oper bereits seit einem halben Jahr geschlossen – offiziell wegen Sparmaßnahmen, in Wahrheit aber auf Druck rechtsradikaler Kreise, denen der Stil des Hauses ein Dorn im Auge war.

 Diese bedrückende politische Situation lähmt seine Schaffenskraft, im Frühjahr 1933 verläßt Zemlinsky Berlin, um in das vermeintlich friedliche Wien zurück zu kehren.

 Zwar findet er hier wieder Zeit und Muse zur Komposition, drei Stücke aus dieser Schaffensperiode werden wir gleich hören. Aber auch Wien wird von den politischen Zeitläuften nicht verschont; Auftrittsverbote und andere Repressalien kennzeichnen seinen Alltag.

 

Schweren Herzens entschließt Zemlinsky sich zur Emigration, verlässt 1938 schließlich „sein“ Wien und siedelt in die USA, nach New York, über. Tantiemen bleiben aus, lohnende Dirigate sind selten, die wenigen erfolgreichen Kompositionen in diesen Jahren reichen zum Lebensunterhalt kaum hin.

In dieser Existenzfraglichkeit befallen den erst 67-jährigen Nervenleiden, von denen er sich nicht mehr erholt. Nach langem Leiden verstirbt Zemlinsky 1942 an einer Lungenentzündung. So steht es im Totenschein.

In Wahrheit aber, so berichten Freunde später, in Wahrheit aber an gebrochenem Herzen.

 Wir hören nun drei Lieder. Zuerst das Lied „Liebe Schwalbe“, dann „Vöglein Schwermut“ und zum Schluss das Lied „Empfängnis“.

 Musik / 3 Lieder von Zemlinsky

Block 2: Robert Schumann

 

Wenden wir uns nun musikalisch Robert Schumann zu. 1810 als Sohn eines Buchhändlers in Zwickau geboren, erhält er schon mit 7 Jahren Klavierunterricht und zeigt in der Folge ein außergewöhnliches musikalisches Talent.

 

Früh schon neigt er dem Beruf des Musikers zu, „Folg ich meinem Genius, so weist er mich zur Kunst, und ich glaube zum rechten Weg“ so schreibt er. Derweil hatte seine Mutter gemeinsam mit dem Vormund, der Vater war früh verstorben, entschieden, dass Schumann Rechtswissenschaften studieren solle, da beide in seinem Hang zur Kunst und vornehmlich zur Musik keine Zukunft sehen.

 

Schumann fügt sich dem Wunsch, immatrikuliert in Leipzig, studiert aber, kaum verwunderlich, ohne wirkliches Interesse. Der Musik gilt sein ganzes Streben.

 

Der mütterliche „Zwang“ nach Leipzig aber entpuppt sich in der Folge als Paradebeispiel für jene Kraft, die Gutes will und Gutes schafft. In Leipzig begegnet der junge Schumann dem Mann, der sein ganzes Leben verändern wird: Friedrich Wieck. Ihm verdankt Schumann, nach einigen Flegeljahren, die wir schamhaft verschweigen wollen, eine grundlegende Ausbildung im Klavierspiel und der Kompositionslehre; Wiecks Tochter Clara wird später sogar seine Ehefrau.

 Nun erst gelingt es Schumann seine „zügellose Phantasie und seinen schwankenden Sinn“, wie Friedrich Wieck es einmal nannte, zu beherrschen“ und stürzt sich mit Macht und Übereifer auf das Klavierspiel. So konstruiert Schumann eine mechanische Apparatur, mit der er alle Finger unabhängig voneinander zu bewegen übte.

Dies intensive Training jedoch mündet in eine schwere Sehnenscheidenentzündung der rechten Hand, es verbleibt eine

Einschränkung des Ringfingers, welche sein Klavierspiel sehr beeinträchtigen und die noch nicht begonnene Karriere als Pianist abrupt beenden sollte. Wofür wir heute dankbar sind, denn Schumann widmete sich fortan mehr der Komposition.

 Den weiteren Lebensweg Schumanns, die frühen Erfolge seiner Frau Clara als Pianistin, sein erst späterer Erfolg als Komponist, die daraus resultierenden dunklen Jahre, sowie die Gemütsleiden, vermutlich Folgen einer Syphilis, möchte ich nicht streifen. Wohl aber die kurzen, lichten Jahre, die er besonders im Rheinland, als Städt. Musikdirektor“ in Düsseldorf durchlebt. Die „Rheinische Sinfonie“ entsteht in dieser Zeit.

 Kurze Jahre des Glücks, denn bereits 1853 ist Schumann gezwungen diese Anstellung aus gesundheitlichen Gründen aufgeben, gerät in geistige Verwirrung und begeht 1854 sogar einen Suizidversuch, er stürzt sich in den Rhein, wird aber gerettet. Seine späten Jahre verbringt er in geistiger Umnachtung in einem Sanatorium in der Nähe von Bonn. Dort verstirbt er 1856, vermutlich an den Folgen einer Syphilis, vielleicht aber auch an der damals üblichen Behandlung mit Quecksilber.

 Ulrike trägt uns nun einige Lieder aus seinem Schaffen vor, die zum Inbegriff der Romantik gezählt werden.

„Frauenliebe und –leben“ Opus 42 ist ein Liederzyklus von Robert Schumann auf Texte von Adelbert von Chamisso für hohe Stimme und Klavier, in dem der Lebensweg einer Frau von der ersten Liebe bis zum Tod des Ehemanns nachvollzogen wird. Das dargestellte Frauenleben entspricht den moralischen Normen der treuen und hingebungsvollen Ehefrau.

Für die Interpretin stellt sich im Zyklus die Aufgabe, ein ganzes Leben in weniger als einer halben Stunde darzustellen. Bis heute ist es der einzige berühmte Zyklus aus der Romantik für Frauenstimme geblieben

Block 3: Gabriel Fauré und Wolfgang Amadeus Mozart

 

Unsere musikalische Reise führt uns nun zu Gabriel Fauré, der im Jahr 1845 geboren wird. Im selben Jahr findet die Uraufführung des Tannhäusers in Dresden statt; Wagner wird Fauré ein Leben lang begeistern. Wie er ist auch Fauré ein musikalisches Genie.

Mit neun Jahren wird der Begabte in ein Pariser Musikinternat aufgenommen, die renommierte L´École Niedermayer, 11 Jahre Ausbildung shließen sich an.

 Harte und sparsame Berufsjahre folgen, mehr schlecht als recht schlägt sich Fauré als Organist durch, bis ihm 1896 die große Orgel der Pfarrkirche La Madeleine in Paris anvertraut wird. Im selben Jahr übernimmt er die Stelle als Kompositionsprofessor am Conservatoire, und von 1905 bis 1920 amtiert er als Leiter dieser Institution; zu seinen dortigen Schülern zählte unter anderem Maurice Ravel.

 Weitaus erfolgreicher hingegen ist Faure als Komponist. Schon 1877 mit Veröffentlichung der noch heute berühmten A-Dur-Violinsonate reiht sich Fauré „in die Riege der Meister“ ein, wie der große Camille Saint-Saëns notiert.

 Danach verlobt er sich mit einer Tochter der Starsängerin Pauline Viardot.  Doch die läßt ihn sitzen. Er soll ihr zu leidenschaftlich gewesen sein.

 Da kann man sich jenen Mann schon vorstellen, der, kaum war er 1905 Direktor des ehrwürdigen Pariser Conservatoire geworden, den Lehrplan so gründlich modernisierte, dass die alte Garde ihn als »Robespierre« beschimpfte. Nun durfte dort auch Musik von Wagner studiert werden, den Fauré verehrte, ohne selbst in seinen Stücken wagnerisme zu betreiben wie andere französische Komponisten. Näher als Chromatik und sehrende Vorhalte ist ihm eine terzengeprägte, mediterrane Harmonik. Immerhin kam Fauré am Fuß der Pyrenäen zur Welt, unfern von Carcassonne.

sehrend:       mhd seren: verletzenà jdm unversehrt lassen; kriegsversehrt; semantischer Archaismus

Vorhalt:         mit einer Dissonanz verbundene Verzögerung einer Konsonanz durch das Festhalten eines Tons des vorangegangenen Akkords

Chromatik:    bezeichnet in der zentraleuropäischen Musik die "Umfärbung" der Tonstufen einer diatonischen Skala (=Verwendung melodischer und harmonischer Fortschreitungen) durch Erhöhen oder Erniedrigen (Hoch- bzw. Tiefalteration) um einen Halbton.


 

Musikalisch von Berlioz und Frank beeinflusst – findet er in seinem Werk zu einer eigenständigen, poetischen, mit auffällig differenzierten Harmonien bereicherten Tonsprache. Man erkennt in seiner Musik immer gleich den typisch parfümfreien Charme und die gebändigte Melancholie, wie ein Kritiker vor kurzem schrieb.

 Zum Höhepunkt seines Schaffens fand Fauré, nach Ansicht der meisten Kenner, in der Vokalmusik, insbesondere in seinen Klavierliedern.

Wir hören 3 Lieder, Chancon d´amour, Les Berceaux und Aprés un reve.Besonders Après un rêve ist außerhalb Frankreichs zumeist nur in Instrumentalbearbeitungen (z.B. für Cello und Klavier) bekannt; freuen wir uns also auf das Original.

 

 Kontrastiert wird der Faurésche Zyklus durch ein Lied von Mozart, um so zurück zu kehren in eine musikalisch sehr vertraute, fast schlichte Welt.

 Zu Mozart bedarf es nicht vieler Worte, Leben und Werk sind weithin bekannt. Wie Zemlinsky war auch Mozart Freimaurer. Angezogen von den Idealen der Humanität, der Toleranz und Brüderlichkeit – die franz. Revolution von 1789 wird diese Ideale als liberté, fraternité und égalité übernehmen – fasziniert zudem vom Geist der Aufklärung sowie der Möglichkeit Gleichgesinnten aus allen Gesellschaftsschichten auf gleicher Ebene begegnen zu können, war Mozart 1784 dem Bund der Freimaurer beigetreten.

 In der Folge blieb es nicht aus, dass genannte Logenideale auch eine Vielzahl seiner Werke prägten; am bekanntesten dürfte „Die Zauberflöte“ sein. Als Melodie ist der freimaurerische Hymnus „Brüder reicht die Hand zum Bunde“, noch heute als Österreichisches Bundeslied (Nationalhymne) erhalten und bekannt.

Und nun: genießen Sie Musik von Fauré und Mozart. Anschließend: Pause.


 

 

 

Adolf Busch

 

Mit zwei Komponisten der Neuzeit wollen wir nun fortfahren.

 

Adolf Busch (1891-1952) gilt als der wichtigste deutsche Geiger der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, jedoch findet heute auch seine Leistung als Komponist zunehmend Anerkennung.

 

1891 in Siegen geboren erhält er bereits im Alter von zwei Jahren ersten Violinunterricht von seinem Vater, mit vier Jahren tritt Busch erstmals öffentlich auf. Offensichtlich ein begabtes Wunderkind.

Im Alter von 10 Jahren studiert Busch bereits am Kölner Konservatorium, in dieser Zeit trifft Busch auf seinen großen Mentor, Max Reger. 9 Jahre und eine fundierte Ausbildung später liegt eine glänzende Karriere vor ihm. 1912, im Alter von nur 21 Jahren avanciert Adolf Busch zum Konzertmeister des Wiener Concertvereins-Orchesters (den heutigen Wiener Symphonikern) und Primarius des Concertvereins-Quartett.

 

Nachdem Busch 1918 als Professor an die Berliner Musikhochschule gewechselt hatte, war es nur eine Frage der Zeit, bis er 1919 sein Quartett in Busch-Quartett umbenannte. Der Klangkörper blieb bis zu seinem Tode wichtiger Tätigkeitsraum. 1920 gründete Adolf Busch zusammen mit seinem Bruder Hermann und dem Pianisten Rudolf Serkin das Busch/Serkin-Klaviertrio, das für gut dreißig Jahre ebenfalls zu einer festen Größe im internationalen Konzertleben wurde.

 

1927 zog Adolf Busch als freier Musiker nach Basel, wo er 1929–30 Lehrer Yehudi Menuhins war. 1935 gründete er ein eigenes Kammerorchester und war 1938 Mitbegründer der Internationalen Musikalischen Festwochen in Luzern.

 

 

 

1939 emigrierte er in die USA und kehrte 1947, ein Jahr nach dem Tod seiner ersten Frau Frieda, nach Europa zurück; seit 1949 konzertierte er auch wieder in Deutschland. 1950 war er Mitbegründer der School of Music in Marlboro (Vermont).

 

Buschs kompositorische Entwicklung vollzog sich parallel zu seiner brillanten geigerischen Karriere, und auch wenn sie zu Lebzeiten von seiner Tätigkeit als Interpret überschattet war, lernen wir ihn heute mehr und mehr auch als Komponist kennen und schätzen.

Sein vielgestaltiges Schaffen zeichnet sich aus durch musikantischen Einfallsreichtum, verbunden mit einem enormen handwerklichen Können. Auch wenn sich teilweise eine gewisse Nähe zur Tonsprache seines Freundes Max Regers findet, so verfügen andererseits seine Kompositionen einen sehr eigenwilligen und typischen Personalstil.

Siebzig Werke mit Opuszahl schuf Adolf Busch, darunter vor allem Kammermusik, aber auch mehrere Sinfonien, ein Violinkonzert und andere Orchesterwerke, Orgel- und Klaviermusik sowie Lieder.

 

Nachdem er sich vom Konzertpodium verabschiedet hatte, wandte er sich verstärkt dem Komponieren zu;  „[...] ich genieße die Ruhe „(die innere und äußere)“ so schreibt er, „die mir immer gefehlt hat, weil ich zwischen Geigen und Komponieren hin und her gerissen wurde und mir die Zeit zum Komponieren stehlen musste.“ Viel Zeit zum Komponieren blieb ihm nicht mehr. Drei Wochen nach diesem Skriptum, am 18. Dezember 1951 verstarb er an seinem dritten Herzinfarkt.


 

 

Der zweite Komponist ist

 

Alban Berg:

 

Er ähnelte Oscar Wilde und war ein sensibler Grandseigneur, er mied die Menge, hochmütig aber war er nicht, eher selbstironisch. Er habe "den größenwahnsinnigen Eindruck, dass der Wozzeck etwas ganz Großes ist", schrieb Alban Berg seiner Frau vor der Uraufführung. Dass es am 14. Dezember 1925 in der Berliner Staatsoper lauten Beifall gab, irritierte ihn.

 

Konnte man ihn verstanden haben? Die Oper wurde umgehend an so vielen Häusern gespielt, dass der Komponist mit den Tantiemen ein Ford-Sport-Cabriolet bezahlte, von dem er sogar ein Foto an seinen Lehrer Arnold Schönberg schickte. Der wird es mit einem gewissen Zähneknirschen betrachtet haben. Er, der den elf Jahre Jüngeren erst auf den Weg gebracht hatte, war ein weniger umjubeltes Genie.

 

Alban Berg, geboren am 9. Februar 1885, kam aus der Familie eines wohlhabenden Exportkaufmanns, Bergs Vater war Freimaurer; er selbst zeitlebens von Astrologie, Theosophie und Zahlenmystik besessen, er verschlang Sportnachrichten und ging leidenschaftlich gerne in Kino.

 

Alban Berg wuchs – nach dem Tod des Vaters – unter Vormundschaft seines älteren Bruders auf. Literatur und Musik fanden sein vorwiegendes Interesse, Schule interessierte ihn nicht so sehr, er repetierte mehrmals und schwängerte im Alter von 16 Jahren das Küchenmädchen der Familie.

 

Mit fünfzehn begann der sichtlich vielfach Begabte als Autodidakt zu komponieren, ohne eine formale musikalische Ausbildung genossen zu haben. Früh schon bemerkte der 10 Jahre ältere Arnold Schönberg die außerordentliche musikalische Begabung des jungen Mannes, in dessen Liedern er „eine überströmende Wärme des Fühlens“ erkannte – ein Merkmal, das auch alle weiteren Kompositionen Alban Bergs auszeichnen sollte.

 

Beginnend als Schüler wurde Alban Berg später für den Neutöner Arnold Schönberg die unverzichtbare und dem Meister treu ergebene Hand.

 

Durch Nachlass der Mutter und Heirat von Helene Nahowski, einer illegitimen Tochter von Kaiser Franz Joseph I, früh finanziell unabhängig, widmete sich Berg ab 1911 ganz seinem kompositorischen Schaffen.

 

Inspiriert von seinem Lehrer Schönberg sowie dem symphonischen Werk Gustav Mahlers entwickelte Berg eine ganz eigene, neue Musiksprache, die spätromantische mit atonalen Tendenzen und Ausflügen in die Zwölftonmusik vereinte.

So waren es nicht etwa die Kompositionen Schönbergs, sondern diese neue, ungehörte und unerhörte Musik Bergs – es waren die fünf Orchesterlieder Opus 5 – die im Februar 1913 für einen veritablen Zisch- und Prügelskandal im Konzertssaal sorgten. Die Neugier des Wiener Publikums war geweckt.

 

Spätestens sein aufsehenerregendes Operndebüt - «Wozzeck» nach Georg Büchner - machte ihn zu einem der wichtigsten Komponisten seiner Zeit. Seine zweite Oper, 'Lulu', begonnen im Jahr 1929, konnte er bis zu seinem Tod aber nicht mehr fertigstellen.

 

Das Werk Alban Bergs umfaßt neben den beiden Opern auch Klavierlieder und -stücke, Bearbeitungen und Einführungen zu Werken, unter anderem zu Schönberg, sowie das berückend schöne Violinkonzert 'Dem Andenken eines Engels', das er zu Ehren Manon Gropius, der Tochter von Alma Mahler-Werfel und Walter Gropius, 1935 schrieb. Zugleich verfasste er damit aber auch sein eigenes Requiem, Alban Berg verstarb noch im selben Jahr, 1935, an den Folgen einer Blutvergiftung.

 

Gleich werden 2 Trios von Adolf Busch vorgetragen, dazwischen ein Lied von Alban Berg.

 

Verabschiedung

 

Meine Damen und Herren wir sind nun am Ende unserer Reise angekommen. Die musische haben wir durchflogen und kehren nun in die profane Welt zurück.

Wir hoffen Sie haben den Abend genossen, haben neue Eindrücke erhalten, neue Erfahrungen gesammelt; Reisen sind immer auch eine Symphonie der Sinne.

Vielen Dank, dass Sie mir geduldig zugehört haben, denn mein Reden störte doch nur die Sphären der Musik.

Mein Herzlicher Dank gilt den Interpreten

 

 

 

 

 

 

 

Dr. Rüdiger Schmidt

Verein  zur Förderung
von Kunst und Kultur
der    Kommunikation
und     des    Dialoges

    MISTRAL Versicherungsmakler

    Inhaber Karim Khreis

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